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IT-Runde

Gastartikel: Warum E-Books böse sind

  • Warum E-Books böse sind

    Am 20.07.2010 erschien bei heise online ein Artikel mit der Überschrift „Amazon USA verkauft mehr E-Books als gebundene Bücher“ und irgendetwas in mir sagte: „Das ist nicht gut“.

    Wir leben in einem Zeitalter in dem technische Neuerungen in unserem Alltag immer mehr Einfluss nehmen. Dies können wir gerade auf dem Markt der Smartphones exemplarisch erleben. Diese Entwicklung macht selbst vor Büchern nicht halt. E-Books und E-Book-Reader verdrängen immer mehr das klassische Buch. Um sich Markvorteile zu verschaffen, werden eigene Standards, Formate und Hardware auf den Markt gebracht um so Kunden an sich und den eigenen Shopsystem zu binden.

    Bücher in digitaler Form sind praktisch, leicht und durch die kleinen schmalen E-Book-Reader auch platzsparend. Ganze Bibliotheken finden auf diesen Dingern Platz und so kann man im Urlaub einfach alle seine Bücher mitnehmen und am Strand lesen.

    Kann man das gedruckte Werk einfach weiter verleihen, steht man bei den E-Books vor einigen Hürden. Dadurch das Händler ihre eigenen Dateiformate für E-Books und zudem noch eigene Hardware eingeführt, die zu anderer Hardware inkompatibel ist, ist das verleihen oder tauschen von E-Books so gut wie unmöglich, es sei denn man verleiht seinen E-Book-Reader gleich mit. Es ist eigentlich nur eine Frage der zeit, bis bestimmte Buchtitel exklusiv nur über einen Händler zu erhalten sind. Kunden anderer Händler wären dann gezwungen sich noch den passenden Reader zu besorgen, was zur Folge hätte, dass man mehrere zu Hause rumliegen hätte. Das ist aber nicht das eigentliche Problem.

    Vielmehr droht uns das „digitale Vergessen“. Technologien ändern sich laufend und rasend schnell. Neue Hard- und Software sollen unser Leben erleichtern. Schnell wird auf diesen neuen technischen Fortschritt umgestiegen. Und genau hier lauert die Gefahr des „digitalen Vergessens“.

    Dies ist keine Fantasterei von mir sondern mittlerweile ein reales und ernstes Problem unserer technikabhängigen Gesellschaft. Schon heute gibt es Datenbestände die nicht gelesen und in irgendeiner Form verarbeitet werden können, weil es weder die benötigte Hard- oder Software dafür nicht mehr gibt und auch niemanden der sie herstellen kann, weil man die technischen Baupläne oder den Sourcecode nicht lesen kann. Niemand ist in der Lage genau zu sagen, wie viele wertvolle Datenbestände auf diesem Weg für immer verloren gegangen sind.

    Meiner Meinung nach droht uns das selbe jetzt auch bei den Büchern und könnte durch Exklusivrechte beim Vertrieb verschärft werden. So schön praktisch E-Books sind, so groß ist auch die Gefahr die von ihnen ausgeht.

    Ok, man könnte sagen das E-Books in neue Formate portiert werden um so erhalten zu bleiben. Das geht vielleicht einmal gut, aber was passiert wenn danach wieder ein neues Format oder System zum Standard wird? Ich glaube nicht das die Privatwirtschaft dann alle Bücher durch die Portierung retten wird und sich nur für die profitbringenden Titel entscheidet.

    Uns droht das Wissen mehrerer Genartionen, Literarische Meisterwerke, Sachbücher und was es da noch so alles gibt, für alle Zeiten verloren zu gehen.

    Für das gedruckte Werk wird kein Betriebssystem, Hard- oder Software und auch keine Stromquelle zum Lesen gebraucht. Die Archivierung benötigt zwar viel Platz, jedoch ist die Rettung von Büchern erheblich leichter als das Wiederherstellen von Datenbeständen für die es keine Hard- oder Software mehr gibt.

    Bücher erzählen nicht nur Geschichten, sondern sind Bestandteil der Geschichte. Ohne Bücher könnten wir Ereignisse der Vergangenheit nicht rekonstruieren und erfahren wer zum Beispiel Jesus war. Hätte man damals schon die Möglichkeiten gehabt, die Bibel als E-Book herauszubringen, wären wir auf Grund der technischen Weiterentwicklung nicht mehr in der Lage sie zu lesen, weil uns einfach die benötigte Hard- und Software fehlen würde.

    Und noch einen klareren Vorteil haben gedruckte Bücher:
    Man kann sie verleihen, tauschen und / oder verschenken ohne in einer rechtlich bedenkliche Situation zu kommen. Auch das Gefühl beim Umblättern in den Fingern und das Geräusch das dabei entsteht, sind ein einzigartig und machen das Lesen als Zugabe zu einem Ereignis.

    Ich finde es schön in Bücherregalen oder auf dem Flohmarkt in Kisten nach Büchern zu stöbern, sie in meinen Händen zu halten, daran zu riechen und zu blättern.

    Für mich bleibt das gedruckte Buch immer ein klarer Favorit und gedruckte Bücher werden mich weiterhin in meinen Alltag begleiten. Ich hoffe sehr das E-Books die gedruckte Variante nicht komplett verdrängen werden, weil das „digitale Vergessen“ unvorhersehbare Folgen für unsere Gesellschaft und der Menschheit haben wird.

    Dies ist ein Gastartikel von Heiko Philippski
    Er beschreibt sich selbst als Pirat, Kaffeetrinker, Macbook- und Milestonebesitzer, Blogger, SciFi-Fan, Leseratte, Twitterer und Facebooker. Auf seinem Blog phindie.de schreibt er seit Februrar 2010 sehr spannende Artikel über die verschiedensten Themenbereiche. Neben Rezensionen & Erlebnissen kann man dort auch viel über Joomla, WordPress und Mac erfahren.
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  1. #1 Sandra
    31.07.2010 um 12:50 Uhr

    Ganz deiner Meinung… die gedruckte Form ist mir persönlich sehr viel lieber!
    Geek hin oder her… dennoch freue ich mich, wenn ich nach dem Urlaub den dicken Schinken auspacke und ein wenig Sand vom Strand zwischen den Seiten finde! :)

    Außerdem hat man beim Buch auch keine Spiegelungen, wenn man mal in der prallen Sonne auf Balkonien liest!

    Ich verstehe deine Bedenken und sehe auch das Problem gerade mit den exklusiv Rechten, aber irgendwie bin ich gar nicht so schreckhaft bei dem Thema. Ich treffe immer noch genügend Menschen in Buchläden, Bibliotheken oder Flohmärkten… und wir stehen mit der Meinung ja Gott sei Dank nicht alleine da, dass ein Buch einfach gedruckt, gebunden und auf Papier sein muss!

    Lieben Dank für den schönen Gastartikel!
    s*

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  2. #2 caschy
    01.08.2010 um 22:12 Uhr

    Schöner Beitrag. Danke.

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  3. #3 Rafael Eduardo Wefers Verástegui
    03.09.2011 um 17:27 Uhr

    Ebooks sind also böse wenn es nach dem Autor geht. Nunja eine Meinung ist eine Meinung und diess ist die seine. Meine ist sie nicht, denn Ebooks müssen eben nicht anfällig sein für das digitale Vergessen.

    Das Szenario das hier heraufbeschworen wird, geht davon aus das Ebooks primär in proprietären, kopiergeschützten Formaten gehandelt werden.

    Aufgrund „historischer Ereignisse“ gehe ich davon aus, das DRM sich auch beim Ebook nicht durchsetzen wird. Demzugfolge werden wir Formate haben die entsprechedn einfach auf allen möglichen Readern darstellbar sind und auch ohne grossen Aufwand konvertiert werden können.

    Abgesehen vom recht gut dokumentierten PDF-Format, welches sogar von einigen chinesischen MP3-Playern dargestellt werden kann, gibt es noch eine ganze Reihe anderer Formate die, und das ist das schöne, teilweise recht problemlos untereinander konvertiert werden können.

    Natürlich ist ein echtes Buch ein haptisches Erlebnis, aber wie alle haptischen Erlebnisse haben Bücher auch gewisse Nebenwirkungen und Nachteile.

    Viele Bücher der letzten 30-50 Jahre sind nicht dauerhaft haltbar, weil das Papier gebleicht wurde und mit der Tinte reagiert, übrig bleibt oft nur Staub.

    Bücher altern. Selbst gute und haltbare Bücher tun dies. Bücher sind anfällig für Feuchtigkeit, Hitze, etc.
    Bücher benötigen Platz: Je mehr es sind, desto mehr Platz benötigen sie.

    Ich habe eine sehr grosse Buchsammlung. Sowohl echte Bücher als auch Ebooks. Ab und an lese ich sogar noch eines der echten Bücher, obwohl ich mir generell angewöhnt habe mehr Ebooks zu lesen.

    Ebooks kann ich auf dem Handy lesen, auf einem 7″ Tablet, auf dem Notebook, dem Netbook, dem 10″-Tablet… ich kann sie in der Cloud speichern, auf Datenträger verschiedenster Art, ich kann sie sogar drucken lassen oder selbst ausdrucken.

    Insoweit sehe ich der Gefahr von Datenverlust eher gelassen entgegegen. Bücher, so schön und wertig sie auch sind, sind empfindlich, schwer, platzraubend. Man merkt das bei jedem Umzug besonders gut. Und wenn man unterwegs ist, gerne auch mal länger und man will genügend Lektüre mitnehmen… nun ich ernnere mich an Reisen mit einem Rucksack voller Bücher. heute reicht ein Internetanschluss um mir Zugang zu allen meinen Büchern zu gewähren und selbst wenn ich diesen nicht erhalte: Auf Speicherkarten, USB-Sticks etc kann ich zehntausende Bücher mit mir herumtragen ohne das ich unter dem Gewicht zusammenbrechen würde.

    Ich stimme also der Schwarmalerei nicht zu. Ich bin ein Fan von Ebooks, so wie ich ein Bücherfan generell bin. Meiner Meinung nach gibt es noch viel zu wenig Ebooks, es sollten alle Werke, aller Autoren die noch irgendwie und irgendwo zu bekommen sind als Ebook verfügbar sein. Man stelle sich vor: das gesamte literarische Wissen der Welt, für jeden kostengünstig verfügbar, im Idealfall komplett indiziert und online durchsuchbar. Das wäre das adäquate Mittel gegen das analoge Vergessen.

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