| Tweet |
Bundestrojaner – Kann jeder von uns schon bespitzelt worden sein?
-
Was dürfen Fahnder eigentlich alles machen um verdächtige Personen zu überwachen? Eine sehr gute Frage! Klar ist, dass Gespräche aufgezeichnet werden dürfen – Darf denn eigentlich auch auf die persönlichen Daten der Festplatte eines Verdächtigen zugegriffen werden? In der Verfassung steht seit 2008: “Wird ein komplexes informationstechnisches System zum Zweck der Telekommunikationsüberwachung technisch infiltriert („Quellen-Telekommunikationsüberwachung“), so ist mit der Infiltration die entscheidende Hürde genommen, um das System insgesamt auszuspähen.“.
Der Chaos-Computer-Club (kurz CCC) hat nun eine Festplatte in die Hand bekommen, auf dem der so genannte “Bundestrojaner” aufgespielt war (dieser kann getarnt als Update z.B. installiert worden sein). Durch Analyse der Software durch die Hacker wurde nun herausgefunden, dass die Polizei viel mehr Daten einsehen kann. Neben Telefonaten kann quasi der ganze Inhalt der Festplatte angeschaut werden, was definitiv verfassungswiedrig wäre. Doch es geht noch weiter: Wenn diese wollte, könnte die Polizei damit den Rechner des Verdächtigen fernsteuern und unbemerkt z.B. die Webcam und das Mikrofon aktivieren und die Bilder passend aufzeichnen.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte hierzu, es sei “beunruhigend, wenn staatliche Überwachungssoftware sich nicht an die eignen rechtlichen Grenzen des Zulässigen oder Nicht- Zulässigen hält.“. Hiermit hat sie meiner Meinung nach eindeutig Recht. Das Innenministerium stellte sich zwar dem Vorwurf, will aber diese Software nie eingesetzt haben.
Was noch viel schlimmer ist, dass nicht nur die Behörde Zugriff auf den Rechner hat, sondern durch Sicherheitslücken in der Software auch andere Hacker und Angreifer die Kontrolle über den PC erhalten könnten – So der Sprecher des Chaos-Computer-Clubs. Sollte diese Software in die falschen Hände gelangen, sind unsere sensibelen Daten bald vielleicht schon in den Händen von irgendwelchen Angreifern? Wir dürfen gespannt sein, wie sich die aktuell angeheizte Lage entwickelt wird.
Was haltet ihr von der aktuellen Lage – Wird die Software wirklich eingesetzt? Sollte man selbst Angst haben eines Tages damit ausgespäht zu werden? Und: Sollte die Behörde gegen die Gesetze der eigenen Verfassung verstoßen?
Bild via Caschy, Zitat via FR-Online
Tweet







10.10.2011 um 08:07 Uhr
Eine solche Situation ist höchst fahrlässig. Es geht nicht nur um Bankdaten, vertrauliche/private Daten, sondern ggf. auch um Firmen- und Staatsgeheimnisse. Wer weiß schon, auf welchem Rechner überall diese Software installiert wurde. Hacker mit entsprechendem Know-how (jedweder couleur – Industriespionage & Co) werden vor Freude aus dem Häuschen sein, wenn das BKA bereits die Hintertür aufgeschlossen und den Wachhund beruhigt hat. Auf Grund dieser Lage sollten alle Anti-Virenhersteller schleunigst ihre Signaturen auf dieses Schadprogramm aktualisieren und es damit unschädlich machen. Ich hoffe, es gibt ganz schnell Erkenntnisse, wie man den Bundestrojaner erkennt, löscht und die entstandenen Sicherheitslücken dauerhaft schließt.
10.10.2011 um 10:32 Uhr
Im Grunde hört sich das ganze sehr beunruhigend an. Ich halte jedoch nichts davon gleich Verschwörungstheorien zu konstruieren. Vielleicht sollte man erst die Untersuchungen zu dem Fall abwarten. Wenn der Trojaner wirklich ein Bundestrojaner sein sollte, dann werden mit Sicherheit einige Köpfe rollen!
12.10.2011 um 15:21 Uhr
Schrecklich, dass jetzt so ein Trojaner draußen ist. Ich kann mich an meinem eigenen PC nicht mehr sicher fühlen, weil ich Angst haben muss, dass mich jemand hört oder durch meine Webcam sieht. Wenn der Trojaner mal in falsche Hände gelangt, dann haben wir alle ein großes Problem.
18.10.2011 um 23:27 Uhr
Es geht noch nicht einmal nur darum, wie die Sachlage momentan aussieht. Spannt das Netz doch einmal weiter aus. Es wird nur schlimmer. Der Staat wird sich immer mehr Freiheiten herausnehmen, so dass wir bald nicht einmal in unserer eigenen Wohnung Privatssphäre haben.
Doch davon abgesehen, finde ich dass es SOLCHE Leute sind, die sich hinter dem Deckmantel Staat stellen, und sich in anderer Leute Computer einklinken, die hinter Gitter gehören.
Die Tagebücher, die Kontakte, die Nacktfotos des Lebenspartners, die Sexcam übers Internet und die anonyme Selbsthilfegruppe irgendeines Bürgers auf seinem eigenen PC, sind Dinge auf die keiner Zugriff zu haben hat. Kein Hacker, kein Script-Kiddie und schon gar kein Staatsmann.
Und ich sags mal ganz offen, würde ich herausfinden, dass sich entsprechende Schadsoftware (denn nichts anderes ist es) auf meinem PC befände, würde ich zum Bundestag marschieren, und keinen Stein auf dem anderen lassen.
Für den Bundestrojaner gibt es nur eine korrekte Bezeichnung: Assozial.